Projekt Arbeitslosenseelsorge

Mittwoch, 4. November 2015
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Möglichkeiten zur Verbesserung der psychischen Gesundheit von arbeitslosen Menschen im Rahmen der Evangelischen Kirche

„Erwerbslosigkeit ist einer der stärksten Faktoren, der unglücklich macht.“

(Bruno Frey, Wirtschaftswissenschafter, Zürich)

Seit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, werden die Auswirkungen auf die Gesundheit durch den Verlust des Arbeitsplatzes untersucht. Die populärste Arbeit zu diesem Thema, aus dieser Zeit, ist die Studie Die Arbeitslosen von Marienthal (Marie Jahoda, Paul Felix Lazarsfeld, Hans Zeisel). Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen haben nach wie vor Gültigkeit, und werden durch die moderne Wissenschaft unterstrichen.

So führt Langzeitarbeitslosigkeit unweigerlich zu Apathie und Resignation. Faktoren, die sich wesentlich auf den psychischen Zustand der direkt und indirekt Betroffenen auswirken.

Arbeitslosigkeit wird nicht als einfache Ausdehnung der Freizeit empfunden. Freizeit wird erst dadurch genießbar, dass sie begrenzt und somit direkt an die Arbeit gekoppelt ist (Theorie der „müden Gesellschaft“).

Neben den wirtschaftlichen Problemen mit 79 Prozent, geben 60 Prozent der Arbeitslosen gesundheitliche Probleme, 41 Prozent schlechtere Lebensbedingungen und 35 Prozent Alkoholprobleme als Folgen ihrer Arbeitslosigkeit an (Quelle: Fonds gesundes Österreich).

Laut verschiedener sozialmedizinischer und psychologischer Forschungen sind die häufigsten Folgen:

  • psychologische Probleme (die Gefahr an einer Depression zu erkranken steigt bei Männern um das 4,1-fache , bei Frauen um das 3,6-fache. Arbeitslose sind jene Gruppe mit den am stärksten ansteigenden psychisch-bedingten Krankheitstagen)
  • Entqualifizierung
  • gesellschaftliche Isolation (Stigmatisierung)
  • familiäre Spannungen und Konflikte
  • Schuldgefühle, Aggressivität

Die genannten Folgen beschränken sich nicht auf die Arbeitslosen selbst. Auch für nahe Angehörige kann Arbeitslosigkeit eine schwerwiegende Beeinträchtigung darstellen.

Die nachgewiesenen psychosozialen Folgen von Arbeitslosigkeit wie Depressivität, Ängstlichkeit, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, allgemeine Nervosität und Konzentrationsschwierigkeiten können, wenn die Arbeitslosigkeit längere Zeit andauert, auch eine Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit zur Folge haben.“ (Thomas Kieselbach, 1996)


Antizipierte diakonische Interventionsmöglichkeiten:

  1. Psychologische Beratung (Ziele sind die Stärkung des Selbstwertes und der Selbstachtung, Perspektivenwechsel, Orientierungshilfen, Paar bzw. Familienberatung,  ... Diese kann individuell oder in Gruppen erfolgen, durchgeführt durch höhersemestrige Praktikant/innen psychosozialer Lehrgänge)
  2. Unterstützung bei der Bildung von Selbsthilfegruppen und/oder Netzwerken
  3. Sinnstiftung: Ehrenamtliche Mitarbeit der Betroffenen bei Sozial- und Hilfsprojekten
  4. Vermittlung von Aus-/Weiterbildungsmöglichkeiten
  5. Implacement  (Jobbörse)