Schulanfang nicht leistbar – Arme Eltern, schlechte Chancen?

Montag, 22. August 2016
Eine Zeichnung auf einer Schultafel
Für die Diakonie hat Bildung einen hohen Stellenwert. Sie soll jedem Kind Chancen für eine bestmögliche Entwicklung bieten. (Bild © mark yuill)

Diakonie fordert mehr Ressourcen für sozial benachteiligte Schulstandorte - und ruft zur Akuthilfe am Schulbeginn auf.

„Ein guter Start am Schulanfang wird sich für viele Kinder heuer nicht ausgehen“, warnt der Sozialexperte der Diakonie Österreich, Martin Schenk. 380.000 Kinder und Jugendliche gelten als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet*. Je früher, je schutzloser und je länger Kinder der Armutssituation ausgesetzt sind, desto stärker die Auswirkungen, weist Schenk auf schlechte Startbedingungen für viele Kinder am Schulanfang hin.

„Zunehmend klagen Eltern über die oft nicht mehr leistbaren Beiträge, die ihnen zu Schulbeginn abverlangt werden. Ein einfaches Startpaket für einen Schulanfänger bestehend aus Schultasche, Sportbeutel, Heften, verschiedenen Stiften, Handarbeitskoffer, Malfarben kostet 100 bis 300 Euro“. Dazu kommen noch je nach Schulstufe und Schultyp Beiträge wie Kopierkosten, Milchgeld, Abos für Jugendliteratur, Projekt- und Wandertage, Elternvereinsbeiträge und vieles mehr.

Eine Warnung: Mit einer Kürzung der Mindestsicherung wird Gegenwart und Zukunft für diese Kinder noch weiter verschlechtert werden.

Mehr Ressourcen für sozial benachteiligte Schulstandorte

„Damit Zukunft nicht von der Herkunft abhängt, braucht es Hilfestellungen am Schulstart genauso wie einen Bildungsweg, der nicht sozial selektiert, sondern individuell fördert,“ betont Sozialexperte Schenk. „Wichtig wäre auch, Schulen in sozial benachteiligten Bezirken besonders gut auszustatten, damit sie keine Schüler zurücklassen und für alle Einkommensschichten attraktiv bleiben“, schlägt Schenk ein Modell „ausgleichender Ressourcenzuteilung“ vor. Mit dieser schulpolitischen Intervention kann zwar die Spaltung in "gute" und "schlechte" Wohngegenden nicht aufgehoben werden - die liegt ja in der Einkommens- und Wohnpolitik - aber es kann in den Schulen einiges verbessert werden. Die Niederlande, Zürich, Hamburg und auch Kanada haben mit einer kompensatorischen Mittelzuteilung gute Erfahrungen gemacht.“ Mit einem solchen Chancenindex, der unter anderem Bildungsstand, Beruf und Einkommen der Eltern umfasst, würde eine Schule um einen bestimmten Prozentsatz x mehr an Ressourcen bekommen.

Mehr Geld bedeutet aber nicht unbedingt, dass sie qualitativ besser werden, gibt Schenk zu bedenken. „Deswegen muss jeder Standort ein Konzept entwickeln, wie er die Ressourcen am sinnvollsten einsetzt. Und nach einer Zeit wird überprüft ob die Maßnahmen helfen. Die Vorteile sind: Schulische Autonomie und Demokratie wird gefördert und Anreize für engagierte Pädagogen gesetzt. Das zahlt sich aus: Bessere Leistungen, mehr Chancen und attraktivere Schulen.“

Aktion Schulanfang: Schulsachen für Kinder armer Eltern

Zur Akuthilfe für Kinder, deren Eltern sich den Schulstart nicht leisten können, hat die Stadtdiakonie Wien ein Spendenkonto eingerichtet. „ Alle Schülerinnen und Schüler sollen gleiche Chancen und Möglichkeiten haben“, so Jitka Zimmermann von der Stadtdiakonie abschließend.

Aktion Schulanfang
Stadtdiakonie Wien.
IBAN: AT13 3200 0002 0747 7417
BIC: RLNWATWW

(*Quelle: Statistik Austria 2016)