Niemand darf verloren gehen – allen Jugendlichen eine Zukunft geben

Mittwoch, 13. November 2013

Diakonie fordert Aktionsplan für Jugendliche an der Schnittstelle zwischen Bildung und Sozialem

„Österreich steht bei den Jugendthemen international  gesehen gut da. Wegen der niedrigen Jugendarbeitslosigkeit ist Österreich für andere europäische Länder sogar Vorbild. - Gleichzeitig wird allgemein in Österreich ein Reformstau bei Bildung und Schule diagnostiziert. Dieser Umstand schafft massive Probleme für manche Gruppen von Jugendlichen, denn unser segregierendes Bildungssystem schafft unter Kindern und Jugendlichen VerliererInnen, denen Aufstiegschancen verwehrt bleiben,“ betont Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich.

„Sinnvoll wäre deshalb ein Aktionsplan, der Bildungsministerium, Sozialministerium, Wirtschaftsministerium und Jugendagenden zusammenbringt,“ so Diakonie Direktor Chalupka. Es geht darum, die Schnittstellen zwischen Schule, sozialer Arbeit und Ausbildung zu sichten und zu verbinden. Überall dort, wo die Koordination zwischen Schule und Sozialem gelingt, gelingt es auch Jugendlichen effektiv zu helfen.

135.000 Kinder und Jugendliche in Österreich sind von manifester Armut betroffen. 30.000 Kinder und Jugendliche sind auf Unterstützung der Jugendhilfe angewiesen. Mehr als 8000 Jugendliche   brechen jedes Jahr vorzeitig die Schule ab. 78.000 junge Menschen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren sind weder beschäftigt noch in Ausbildung. – Das ist der sichere Weg in lebenslange Armut! Und die Situation für Jugendliche verschärft sich in Folge der Finanzkrise in ganz Europa.

Die Diakonie präsentierte heute anlässlich des Starts ihrer diesjährigen Plakatkampagne 24 „Hoffnungsträger“-Projekte für ein neues soziales Regieren in Österreich. Zuallererst geht es darum, Kinderarmut, Schulabbruch und Hoffnungslosigkeit zu bekämpfen. 

Konkret fordert die Diakonie den flächendeckenden Ausbau von schulunterstützender Sozialarbeit  und die Zusammenarbeit in der Politikgestaltung an Schnittstellen zwischen Schule und offener Jugendarbeit.

Erfolgreiche Projekte an der Schnittstelle zwischen Jugendarbeit und Bildung

Projekte wie die Notschlafstelle Wàki des Diakonie Zentrum Spattstraße in Linz zeigen erfolgreich, wie junge Leute aufgefangen und unterstützt werden können.  Gerhard Eisschill, der Leiter der Notschlafstelle in Linz schildert die Situation so: „Im Waki treffen wir Jugendliche an, die sich in psychischen Ausnahmezuständen befinden, teilweise hochgradig gefährdet sind. Sie sprechen voller Wut und Hass gegen die Erziehungsberechtigten und wollen im ersten Moment nie mehr in Kontakt mit ihren Eltern treten. Nach wenigen Wochen schaffen sie es, sich zu umarmen und den Weg nach Hause anzutreten.“ Das Waki zeigt, dass bei notwendig vorhandenen Ressourcen (Personal, Zeit) innerhalb sehr kurzer Zeit vieles möglich ist: Krisenintervention, Deeskalation, Beruhigung der Situation. Die Probleme kommen auf den Tisch, die Motivation und Kooperation der Beteiligten ist erreicht und die Basis für eine entwicklungsfördernde Arbeit ist gesichert. 

In diesem Zusammenhang weist die Diakonie auf die Notwendigkeit hin, die Leistungen der Jugendwohlfahrt bis zum 21. Lebensjahr zu gewähren. Denn Jugendliche mit schwieriger Lebensgeschichte brauchen Begleitung und Betreuung über das 18. Lebensjahr hinaus. „Auch in einer Familie endet die Sorge und Unterstützung nicht einfach mit dem achtzehnten Geburtstag. Diese Begleitung wirkt auch stark präventiv und beugt Abstürzen vor, wie wir aus anderen europäischen Ländern wissen,“ betont Diakonie Direktor Chalupka.

Eine andere Maßnahme, die hilft massive Probleme an der Wurzel zu bekämpfen, ist eine gute Ressourcenausstattung für Schulen an sozialen Brennpunkten. Wenn Schulen in ärmeren Bezirken gut ausgestattet werden und eine ganztätige Betreuung mit einem Schulessen anbieten können, ist gesichert, dass keine SchülerIn zurückgelassen wird.

Die Stadtdiakonie in Wien zeigt mit dem Projekt „Lernen mit leerem Bauch? – Geht nicht!“ vor, wie mit Hilfe eines gemeinsamen Essens in 4 Wiener Schulen vieles verbessert werden kann. „Das beginnt mit der Konzentration und Aufnahmebereitschaft der Kinder im Unterricht die gesteigert wird, die Noten verbessern sich und die Akzeptanz und Freundschaft der Kinder untereinander steigt merklich an,“ schildert Claudia Röthy, Leiterin der Stadtdiakonie Wien die Erfolge des Projekts. „Nur wer gut isst, kann auch gut lernen. Das ist das Wesentliche,“ ergänzt Claudia Röthy. „Unser Ziel ist es deshalb, gesundes Essen für alle Kinder an so vielen Schulen wie möglich anbieten zu können“.

Die Diakonie legt der neuen Regierung 24 Projekte ans Herz: