Schul-Kinder fordern: Ein gemeinsames Schulessen täglich für alle Kinder

Mittwoch, 4. Dezember 2013
Kindergruppe vor dem Riesenadventkranz im Hoffnungsträger-T-Shirt mit Sprechblase
Schulkinder fordern: Ein gemeinsames Schulessen täglich für alle Kinder

Diakonie ermöglicht Schulkindern gemeinsame Mahlzeit in vier Wiener Schulen

„Schule ist ein Ort gemeinsamen Lernens - dazu gehört auch gemeinsames Essen und Räume mit Lebensqualität,“ betont Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich.

Heute Vormittag machten sich Kinder aus öffentlichen Schulen, denen die Diakonie ein tägliches Schulessen ermöglicht, für andere Kinder stark. Sie forderten mittels großer Sprechblasen ein gemeinsames Schulessen täglich für alle Kinder, denn:

28% der Wiener Kinder zwischen 0 und 15 Jahren kommen bereits aus armutsgefährdeten Familien. Viele Kinder haben an Schultagen bis Mittag einen "leeren Bauch" und:

"Lernen mit leerem Bauch? - Geht nicht!" – das stellten die Kinder klar.

Leider sei es aber Realität für viele Schulkinder in Wien, ohne Frühstück in die Schule gehen zu müssen, und oft auch keine Jause in der Schultasche zu haben, betont Claudia Röthy, Leiterin der Stadtdiakonie, die das Projekt vor 3 Jahren initiiert hat.

Die Eltern dieser Kinder seien „wegen ihrer schwierigen sozialen und psychischen Situation oftmals nicht mehr in der Lage, ihre Kinder auch nur mit dem Nötigsten zu versorgen“, so Röthy.

6% der österreichischen Bevölkerung leben in akuter Armut.

Von der Armut ihrer Eltern am schlimmsten betroffen sind die rund 135.000 Kinder und Jugendlichen (6%). Der finanziellen Armut folgen belastende Wohnbedingungen, gesundheitliche Probleme, chronischer Stress und Einsamkeit.

Dem will die Stadtdiakonie Wien mit dem Projekt „Lernen mit leerem Bauch? – Geht nicht!“ entgegenwirken. Und  „Jedes Kind in unseren Schulen soll sich einmal am Tag satt essen können“ forderten die Schulkinder heute im Rahmen der Diakonie-Aktion beim Adventkranz im Rathauspark.

„Den Magen zu füllen ist nur ein Aspekt des Projektes. - Auch die soziale Komponente darf nicht zu kurz kommen,“ betont Claudia Röthy. „Wichtig ist es uns, die Konzentration und Aufnahmebereitschaft der Kinder im Unterricht zu steigern, die Noten zu verbessern und die gegenseitige Akzeptanz zu steigern,“

Die Mahlzeiten werden gemeinsam zubereitet. Lehrerinnen und Lehrer verarbeiten gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern die vorhandenen Lebensmittel. Die Kinder arbeiten aktiv mit, ein Austausch findet statt. Neben dem Essen kommen auch andere Themen zur Sprache wie z.B. Konflikte zwischen SchülerInnen oder Tischmanieren.

Für viele ist es das erste Mal, dass sie den Umgang mit frischen Lebensmitteln lernen. Wesentlich ist auch das gemeinsame Tischdecken, miteinander Essen und Abwaschen. Die Kinder genießen den sozialen Aspekt des Essens. Sie ziehen die gemeinsame Mahlzeit dem oftmals leeren Zuhause vor. „Wir erleben die SchülerInnen jetzt entspannter und ruhiger und sie nehmen auch mehr Rücksicht aufeinander. Ich bin überzeugt davon, dass sich das regelmäßige Essen auch auf die Leistung der Kinder auswirkt und hoffe, dass das Projekt im nächsten Schuljahr fortgesetzt werden kann.“ so die bei der Diakonie-Aktion anwesende Direktorin einer Schule.

Facts

Derzeit wird das Projekt an vier Schulen in Wien (Donaustadt, Ottakring, Simmering, Rudolfsheim-Fünfhaus) durchgeführt. Weitere Schulen warten dringend um Aufnahme in das Projekt. Bisher werden täglich im Durchschnitt 130 Kinder versorgt.